Crowdsourcing für die Übersetzung von Online-Inhalten

Crowdsourcing bei Übersetzungen

Es gibt zahlreiche Situationen, in denen (Online-)Content eine Übersetzung benötigt, beispielsweise beim Design oder der Lokalisierung einer Webseite, die sich an ein internationales Publikum richtet oder während des Zutritts in einen neuen Markt – maschinelle Übersetzungen kommen speziell im Geschäftsbereich nicht infrage, da die Qualität oft zu wünschen übrig lässt. Crowdsourcing-Plattformen für Übersetzungen, wie beispielsweise Duolingo, versprechen hier eine kostengünstige Alternative. Doch kann der Anbieter wirklich halten, was er verspricht?

In Zeiten des Internets und der sozialen Medien ist Crowdsourcing einer der ganz großen Errungenschaften im Businessbereich. Der Grundgedanke hinter dieser Form des Arbeitens ist einfach:

  • Der Auftraggeber vergibt eine Aufgabe.
  • Diese Aufgabe wird auf einer zentralen Plattform eingestellt.
  • Um die Lösung der Aufgabe kümmert sich nicht ein Einzelner, sondern eine ganz Gruppe von Menschen.

Ziel ist, durch die Gesamtmenge an Expertise das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Die Frage ist nur, ob die einzelnen „Arbeiter“ auch tatsächlich so professionell sind, wie der Auftraggeber es sich vorstellt. Auch im Bereich Übersetzungen gibt es solche Crowdsourcing-Plattformen.

Eine der Bekanntesten unter ihnen ist Duolingo. Grundsätzlich ist der Grundgedanke von Luis von Ahn, dem „Erfinder“ von Duolingo, ein guter – und ebenso ambitioniert: Er will den kompletten Content im Internet übersetzen, da Großteile davon, für Nutzer, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, nicht zugänglich ist. Und genau diese Mammutaufgabe versucht er mithilfe des Crowdsourcings zu lösen.

Was kann Duolingo wirklich?

Duolingo ist heute ein sehr erfolgreiches Unternehmen, das vor allem durch seine günstigen Preise lebt – die werden jedoch nicht selten auf dem Rücken der Crowd erzielt. Verteufeln muss man die Geschäftsidee jedoch nicht, denn sie hat zwei verschiedene Zielgruppen:

App zum Sprachen lernen
Für Privatkunden bietet Duolingo eine App zum Sprachen lernen.
  • Privatkunden: Duolingo präsentiert sich als App zum Sprachenlernen, auf dem die Nutzer verschiedene Stufen erreichen können. Sobald sie zu fortgeschrittenen Nutzern werden (nach einer bestimmten Anzahl richtig übersetzten Übungstexten) können sie bestehende Sätze aus dem Internet übersetzen.
  • Firmenkunden: Die gesammelten Übersetzungen, die von den fortgeschrittenen Nutzern stammen, können nun zu besonders günstigen Raten gekauft werden.

Damit wird gleich eines klar: Duolingo beschäftigt keine professionellen Übersetzer, sondern Sprachanfänger, die sich zwar für die fortgeschrittene Übersetzungsstufe qualifizieren müssen, das aber noch lange nicht heißt, dass die bewältigten Satzkonstrukte definitiv (grammatikalisch) korrekt übersetzt wurden. Die Positionierung von Duolingo ist also nicht mit denen der Übersetzerbüros gleichzustellen, sondern liegt irgendwo zwischen Profis und maschineller Übersetzung.

Was kann Crowdsourcing, was Google Translate nicht kann?

Den professionellen Übersetzern kann die Crowd von Duolingo nur wenig entgegensetzen – einfach aus dem Grund, da es sich hier um Lernende oder Studenten handelt, die ihr Sprachwissen auf Vordermann bringen möchten. Das heißt im Gegenzug nicht, dass die Übersetzungen schlecht sind. Sie können durchaus gut sein, oder zumindest besser als das, was Google Translate ausgibt:

Studenten als Übersetzer
Als professionelle Übersetzungen können Duolingo Übersetzungen nicht gesehen werden, da diese meistens von Studenten oder Lernenden durchgeführt werden.
  • Maschinelle Übersetzer suchen nach bestehenden Übersetzungen und versuchen Muster zu erkennen, um eine möglichst gute Qualität zu erreichen – das klappt leider nicht immer.
  • Google Translate & Co. fehlen hier einfach die menschliche Intuition und das Verständnis für Sprache.
  • Übersetzungen, die in der Crowd in Auftrag gegeben werden, haben den maschinellen Übersetzungen in puncto Lesbarkeit einiges voraus. Die Sätze „hören sich richtig an“ – doch ob man deshalb von einer ebenso hohen Gesamtqualität sprechen kann, ist eine ganz andere Frage.
  • Die Crowd ist keineswegs perfekt – Semi-Professionelle machen einfach Fehler, das ist nun mal Fakt.

Die Grenzen des Crowdsourcings

Abgesehen von der Tatsache, dass beim Crowdsourcing keine professionellen Übersetzer an die Arbeit gehen, liegt das Problem von Duolingo (und vielen anderen Diensten) jedoch am generellen Aufbau und der Kundschaft:

  • Den Übersetzern wird nicht der komplette Text, sondern lediglich einzelne Sätze angezeigt. Der Kontext jedoch entscheidet darüber, welche Übersetzung die einzig korrekte ist. Ein Übersetzer, der den ganzen Text vorliegen hat, trifft die besseren Formulierungen.
  • Viele Kunden von Duolingo kommen aus dem englischsprachigen Raum – das bedeutet, dass Übersetzungen häufig nur vom englischen in andere Sprachen übersetzt werden. Das Ziel für mehr Vielfalt zu sorgen, wird so verfehlt, weil alle Texte nur aus dem „englischsprachigen Winkel“ betrachtet werden.

Alles in allem ist die Idee des Crowdsourcings gut, jedoch nicht ganz ohne Fehler. Professionellen Übersetzungen zu Unternehmenszwecken ist die Crowd nur selten gewachsen, weshalb auch hier die Anheuerung eines Übersetzerbüros Sinn macht. Für einzelne Übersetzungen können Duolingo & Co. jedoch durchaus Sinn ergeben.

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