Lokalisierung: Vernachlässigen Sie niemals Slang-Wörter oder Sie werden es bereuen

Slang-Wörter Lokalisierung

International tätige Unternehmen stehen immer wieder vor einer ganz entscheidenden Herausforderung: der Lokalisierung ihrer Inhalte. Dabei kommt es jedoch nicht nur auf einfache Übersetzungen an, sondern viel mehr auf eine Berücksichtigung kultureller Unterschiede. Vor allem Slang-Wörter finden dabei häufig keine Beachtung. Das hat nicht selten ein sehr peinliches Ergebnis zur Folge.

Slang-Wörter sind ein ganz entscheidender Teil einer Landeskultur, auch, wenn sie im ersten Moment wie „unwichtige“ Umgangssprache aussehen und damit bei Übersetzungen scheinbar keine Rolle spielen. Fakt ist jedoch, dass Slang bestimmte Dinge mit einem Begriff oder Wort bezeichnet, die unprofessionellen Übersetzungen schnell zum Verhängnis werden können.

Eine entsprechende Anpassung von Marken- oder Produktnamen ist deshalb besonders wichtig, denn so ersparen sich Unternehmen peinliche (ungewollte) Wortspiele. Achtgeben sollten Firmen bei der Lokalisierung darauf, dass:

  • Die genutzten Begriffe nicht Slang für andere Bedeutungen sind.
  • Die landestypische Aussprache des (übersetzten) Begriffes nicht zu kuriosen Verwirrungen führt.
  • Die Übersetzung eines Wortes (auch, wenn es am Unternehmensstandort ein Fantasiewort ist) nicht auf Entsetzen stößt.

Hier wird ganz besonders deutlich, wie wichtig es ist, einen Muttersprachler für die Lokalisierung und Übersetzung zu beauftragen. Auch entsprechende Sprachprüfungen und Markforschungstests sind ein adäquates Mittel gegen derartige Peinlichkeiten. Wie schnell es dennoch dazu kommen kann, zeigen die folgenden drei Fälle von Pfizer, Gazprom und Mitsubishi.

Viagra in China: Wenn der Name einer Potenzpille zu viel des Guten ist

Der US-amerikanische Konzern Pfizer, der Viagra entwickelt und vertreibt, ließ sich für den Namen der blauen Wunderpille auf dem chinesischen Markt etwas ganz besonderes einfallen: Statt den Begriff Viagra zu nutzen, taufte der Konzern sein Potenzmittel in „Wànàikè“ um. Übersetzt bedeutet das „Gast, der 10.000 Mal Liebe macht“.

Was vielleicht in amerikanischen oder deutschsprachigen Ohren durchaus „logisch“ klingt, hört sich für Chinesen weniger gut an – vor allem der Kauf in der Apotheke, der durchaus Überwindung erfordert, ist dank des lokalisierten Wortes noch unangenehmer für viele Patienten.

Gazprom + Nigeria = „Nigaz“

Der russische Gazprom-Konzern gründete ein Joint Venture mit einem Partner aus Nigeria. Diese Zusammenarbeit musste natürlich gefeiert werden – und zwar mit einem gemeinsamen Namen. Hier fiel die Entscheidung auf eine Kombination aus Gazprom und Nigeria. Das Ergebnis: „Nigaz“.

Es erfordert kein besonderes Sprachwissen, um zu erkennen, warum vor allem nigerianische Bürger gegen diesen Firmennamen Sturm liefen, denn: Die Aussprache des Wortes Nigaz, hört sich wie „Niggers“ an – was nicht weniger als eine herablassende und beleidigende Bezeichnung für die schwarze Bevölkerung ist.

Mitsubishis Geländewagen „Pajero“ in Spanien

Mit seinem Geländewagen „Pajero“ wollte Mitsubishi einen großen Verkaufsschlager landen. Während das in vielen Teilen der Welt gelang, war der Start in Spanien unglücklich, da Pajero hier übersetzt ein übles Schimpfwort ist – natürlich wollte kein Spanier den Wagen kaufen, weshalb Mitsubishi sein Modell erst im Nachhinein in „Montero“ umbenannte.

Schnell wird deutlich: Setzen Unternehmen nicht genug auf professionelle Übersetzungen, bei denen auch Slang-Wörter Berücksichtigung finden, wird es sehr schnell sehr peinlich. Im schlimmsten Fall bedeutet das, dass Produkte eingestampft oder komplett vom Markt genommen werden müssen – das kann mitunter Millionenverluste bedeuten und ist deshalb natürlich zu vermeiden. Muttersprachler und ausgiebige Sprachtests vorab sind unbedingt notwendig, um die Internationalisierung des Angebots erfolgreich zu machen.

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