Der Einfluss der Höflichkeit auf Übersetzungen

Etikette Übersetzungen

Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) sagte schon: „Höflichkeit ist Klugheit, folglich ist Unhöflichkeit Dummheit.“ Dies gilt nicht nur für den deutschen Sprachraum, sondern auch für alle anderen Kulturen und Sprachen.

Das richtige Register

Unterschiedliche Kulturen haben unterschiedliche Register und Höflichkeitsvarianten, so unterscheidet man bekannterweise im Deutschen zwischen der vertrauten Anrede „Du“ und dem formellen „Sie“. Das Englische dagegen verzichtet auf eine Unterscheidung, hier spricht man nur von „you“. Im Japanischen dagegen gibt es eine Vielzahl an Regeln für das richtige Benehmen und die richtige Anrede.

Die Mitglieder der einzelnen Kulturen kennen (größtenteils) natürlich ihre anzuwendenden Etikette-Regeln, problematisch wird es aber bei der Umsetzung fremder Verhaltensformen. Besonders bei Geschäftsbriefen oder Marketingtexten muss enorm auf eine angemessene Anrede und Höflichkeitsform geachtet werden.

Hierzu muss sowohl das Zielpublikum bzw. die Zielperson, als auch das Verhältnis hierzu genau überdacht und definiert werden. Ein englisches Produkt für deutschsprachige Teenager, darf gerne (und sollte sogar) weit weniger förmlich sein als ein Produkt, das für Wirtschaftstreibende auf den Markt kommen soll, ausgerichtet sein. Den Vorstandsvorsitzenden eines österreichischen Top-Betriebes sollte man in einem Geschäftsbrief keinesfalls mit „Du“ ansprechen, außer natürlich es besteht bereits eine lange Freundschaft zwischen Absender und Adressat.

Die Bedeutung der Höflichkeit in Japan

Sehr speziell wird die Angelegenheit wenn Texte aus dem Japanischen oder ins Japanische übersetzt werden sollen. Hier ist wieder die Zusammenarbeit zwischen Übersetzer und Auftraggeber gefragt, denn es gibt beispielsweise mehr als zehn Wörter für „ich“. Entscheidend für die Version des Begriffes „ich“ ist das Alter und das Geschlecht von einem selbst, aber auch vom Gesprächspartner von Bedeutung. Zusätzlich darf nicht auf das Verhältnis zum Gesprächspartner vergessen werden und welcher sozialen Schicht dieser angehört.

Die richtige Wahl hängt von all diesen Faktoren ab, aber natürlich auch davon, wie höflich man wahrgenommen werden möchte und ob man tatsächlich darauf hinweisen möchte, ob es sich beispielsweise um einen männlichen oder weiblichen Sprecher handelt. Und all der Aufwand nur für das Wort „ich“.

Bei der angemessenen Anrede für den Gesprächspartner gibt es natürlich weitere Probleme, hier gibt es ebenfalls weit mehr Varianten als das vertraute „Du“ und das formelle „Sie“. Beim „Du“ wird unter anderem unterschieden, ob es sich um intime Gesprächspartner wie etwa die Ehefrau handelt, um Freunde, Kollegen von der Arbeit oder beispielsweise Kinder. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass in vielen Fällen die direkte Anrede wegfällt und stattdessen der Name eingesetzt wird (man spricht also praktisch in der dritten Person von seinem Gegenüber).

Das Zielpublikum bestimmt die Sprachwahl

Verschiedenste Partikel, Vor- und Nachsilben bestimmen also im Japanischen, wie höflich oder unhöflich, wie angemessen oder formlos ein Text ist. Wichtig ist, sich im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, an wen der Text gerichtet ist und was man damit aussagen möchte.

Und nicht nur im Japanischen ist ein gewisses Register wichtig, um das richtige Publikum anzusprechen, auch im Deutschen, Englischen oder jeder anderen Sprache der Welt gilt es, das gewünschte Publikum zu erreichen. Dies funktioniert aber nur mit einer Sprache, die das Zielpublikum versteht und mit der es sich identifizieren kann.

Bildquelle: © David Mark

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.